Andere Bräuche zu Silvester Zur Neujahrsnacht vertreibt man das alte Jahr und mit lauter Schiesserei leitet man das neue jahr ein. In früherer Zeit geschah dies mit Hilfe von Trommeln, Schellen und Peitschenknallen. Heute sind es vor allem Feuerwerkskörper, die lautstark das neue Jahr ankündigen. Neben dem Abfeuern von Böllern und Raketen kennt man in manchen Regionen auch das Neujahrsschießen mit Gewehren. In der Altmark schießt man beim Morgengrauen des Neujahrstages in die Gärten, damit die Bäume reichlich Früchte tragen mögen. Vor allem in der Alpenregion wird das neue Jahr mit Peitschengeknall angekündigt. Dieser Brauch erinnert an den germanischen Ritus zur Vertreibung böser Geister in den Rauhnächten.

Das Singen zum Jahreswechsel spielt auch eine besondere Rolle in der Schweiz. Dort versammeln sich am Silvesterabend um 21 Uhr die Sebastiani-Brüder zum Brunnen-Singen. Dieser spezielle Brauch geht auf ein Versprechen von zwölf Männern zurück, die sich 1541 zusammenschlossen, als die Pest in der Stadt sehr viele Menschenleben kostete. Auf diese Weise hoffte man, die Stadt zukünftig vor der Krankheit zu bewahren. Der Grund, warum man am Brunnen sang, lag in der Annahme, dass die Pest von verseuchtem Wasser herrührte.

In einer anderen Stadt der Schweiz, in Winterthur, wird das neue Jahr ebenfalls auf musikalische Weise begrüßt. Ab 23.45 Uhr erklingt in der Silvesternacht vom hohen Nordturm der Stadtkirche besinnliche Bläsermusik, bevor um 00.00 Uhr dann die Glocken läuten. Dieser Silvesterbrauch entstand bereits im 16. Jahrhundert mit dem Ein- und Ausläuten des Tages durch die Turmwächter.

Ein alter Silvesterbrauch aus dem niederländisch-rheinischen Raum ist das sogenannte "Beiern", ein Glockenspiel der besonderen Art. Beim Beiern wird nur eine Kirchenglocke automatisch in Bewegung gesetzt. Sie bestimmt den Takt und das Tempo. Die übrigen Glocken werden durch die "Beiermänner" von Hand angeschlagen, wodurch verschiedene einfache Melodien zum Klingen gebracht werden. Leider wird dieses Silvesterbrauchtum nicht mehr gepflegt, vielleicht auch deshalb, weil es eines gewissen Grades an Fertigkeit und eines intensiven Übens bedarf.

Ein ebenfalls ausgestorbener, aber interessanter Silvesterbrauch stammt aus der Uckermark im Nordosten Brandenburgs zwischen den Städten Angermünde, Templin und Prenzlau. Dort ging bis etwa 1930 in den Dörfern der sogenannte "Pelzbock" um, ein in Strohseide eingewickelter junger Mann. Mit dem Wort Pelz ist in diesem Fall jedoch kein Tierfell gemeint, es ist vielmehr eine Bezeichnung für Pfannkuchen. Der Pelzbock wurde bei seinem Rundgang von Haus zu Haus von vier Treibern in Ketten und zwei als Stutenfrauen verkleideten Burschen begleitet. Mit Handorgel und Geige wurde Musik dazu gemacht. In großen Körben sammelte man Pelze (also Pfannkuchen), aber auch Wurst, Speck, Kuchen, Schnaps und Wein. Mit diesen Gaben feierten die Burschen dann anschließend Silvester.

Eng mit dem "Pelzbock" verwandt ist der Strohbär, der in Hessen beheimatet ist. Er ist wie der "Pelzbock" ebenfalls fast gänzlich eingehüllt, jedoch in Stroh. Zusammen mit dem Strohbär sammeln Jugendliche am Silvesterabend Speck, Eier, Wurst und Schnaps, um damit den Jahreswechsel zu feiern.

Kaum noch gepflegt wird auch der Brauch der sogenannten Neujahrsumgänge, die es in früherer Zeit in unterschiedlichen Formen gab. So besuchten in manchen Gegenden Deutschlands am Neujahrstag Kinder ihre Paten, um das neue Jahr anzuwünschen. In vielen ländlichen Gegenden besuchten junge Männer die Häuser der Nachbarschaft und nutzten dabei die Gelegenheit, sich nach einer möglichen Braut umzusehen. Dabei sprach man nicht selten bei einer herzhaften Brotzeit reichlich dem Schnaps zu. Solche Besuchsgänge konnten aber auch einfach der Kontaktpflege zur Nachbarschaft dienen.

Ein Brauch, bei dem es unter anderem auch um Geselligkeit geht, ist das Würfeln an Silvester. Im weitesten Sinne könnte man es auch als Orakelbrauch deuten, denn beim Würfeln bleibt alles dem Zufall überlassen und das Ergebnis ist genauso ungewiss wie die Zukunft. Jung und Alt treffen sich in verschiedenen Lokalen, um das Jahr beim gemeinsamen Glücksspiel ausklingen zu lassen. Mancherorts wird um Würstchen gewürfelt wie etwa in vielen Gemeinden des Vogelsbergs, einem Mittelgebirge in Hessen. Der Sieger erhält jeweils ein Würstchen. Andernorts kennt man auch das Würfeln um Brötchen oder Brezeln. Auch hier erhält der Sieger eine Belohnung, die in diesem Fall nicht aus einem Würstchen, sondern eben aus einem Brötchen oder einer Brezel besteht. Die Regeln, nach denen gewürfelt wird, sind regional unterschiedlich.

Gespielt wird an Silvester auch im Rheinland. In einem Stadtteil von Dormagen versammeln sich jedes Jahr Einheimische zum sogenannten "Lottern". Jeder Mitspieler erhält eine Karte mit einer Zahlenreihe und Plättchen zum Abdecken der gezogenen Nummern. Sieger ist, wer eine zusammenhängende Zahlenreihe auf seiner Karte abgedeckt hat. Die Belohnung für ihn besteht aus einer Brezel.

Neben den angeführten Bräuchen gibt es noch eine Reihe regional oder auch örtlich gewachsener Silvesterbräuche und Neujahrsbräuche, die noch heute zum Jahreswechsel mal mehr, mal weniger gepflegt werden.


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